Dr. Peter Biniok forscht in den Gebieten der Digitalisierung und des gesellschaftlichen Wandels, der Wissenschafts- und Techniksoziologie sowie der öffentlichen Sozialforschung

Digitale Anwendungen, sog. Apps, sind unsere täglichen Begleiter und Assistenten (Biniok/Lettkemann 2017). Apps stehen uns zwar zu Diensten – da es sich jedoch um keine neutralen Medien und Instrumente handelt, ist deren Einsatz in sozialen (und sensiblen) Settings besonders zu reflektieren.

Der konzeptuelle Beitrag befasst sich mit den Chancen für Empowerment und den Risiken der Disziplinierung durch Technik (Pasquale 2015; Rammert 2015). Ziel ist es, den Blick für das Kontinuum zwischen Lenkung und Selbst­ermächtigung durch Apps für soziale Zwecke zu schärfen.

Lenkung durch Apps findet vor allem dann statt, wenn sie als „Stellvertreter“ einzelne isolierte Funktionen übernehmen und/oder überwachen (bspw. Schritte zählen oder Aufenthaltsorte bestimmen). In diesen Fällen treten vor allem die Grundidee der Entwickler und eine weniger stark reflektierte Nutzung hervor. Die Funktionsweise der App ist vorgegeben und zu einem hohen Maß standardisiert. Die Aus- und Bewertung der Ergebnisse erfolgt grundsätzlich durch die App und enthält kein qualitatives Feedback (Anzahl Schritte erreicht oder nicht). Technik ist als dominanter Akteur beobachtbar.

Selbst­ermächtigung ist (nur) dann zu verzeichnen, wenn Apps Teil einer umfassenderen Maßnahme sind (etwa Kalorienrechner in Kombination mit einem Ernährungs­kurs). Apps besitzen hierbei ein soziales, medizinisches und/oder wissenschaftliches Moment. Zudem haben Nutzer in gewissem Umfang Kontrolle über die App und deren Konfiguration und Funktion. Die Ergebnisse werden durch den Nutzer und weitere Akteure (etwa Ernährungs­berater) ausgewertet und diskutiert. Technik ist Teil verteilter Handlungen, die situativ ineinandergreifen.

Apps, so die These, werden grundsätzlich durch Aneignung, Assoziation und Aushandlung in digitale Ensembles eingebettet. Als zentrales Merkmal solcher Ensembles tritt hervor, dass die notwendige Souveränität der Nutzer nicht in die digitale Technik eingeschrieben ist. Erst durch die Förderung von Bedien­kompetenz, die Vermittlung von Hintergrundinformationen und die Bereitstellung notwendiger Hardware entfaltet sich die Möglichkeit, Apps für soziale Zwecke in digitalen Ensembles sinnvoll einzusetzen.