Jens Hälterlein ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Centre for Security and Society der Universität Freiburg. Derzeit arbeitet er im BMBF-Projekt RESIBES, das sich mit der Erhöhung der Resilienz durch Helfernetzwerke im Krisen- und Katastrophenschutz beschäftigt. Seine Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Sicherheitstechnologien (insb. Predictive Policing und Videoüberwachung), Surveillance Studies, STS und qualitative Methoden (insb. Diskursanalyse).

Linda Madsen is a postdoctoral research fellow at the Centre for Security and Society at the University of Freiburg. Currently, she works on the collaborative project, RESIBES, which aims to contribute to increased societal resilience through networks of spontaneous or unaffiliated volunteers.

Digitale Technologien spielen für die Selbst-Organisation freiwilligen Engagements eine zunehmend große Rolle. Facebook-Gruppen, Google Maps und Online-Tools wie der Volunteer Planner bilden die digitale Infrastruktur von Hochwasser-Schutzdeichen, Aufräumarbeiten nach Stürmen und der Koordinierung der Hilfe für Geflüchtete.

Diese Form des selbstorganisierten Engagements ist zwangsläufig in den Fokus der am Krisen- und Katastrophenschutz beteiligten Organisationen geraten. Diese sehen sich zum einen mit den Ansprüchen der Hilfswilligen konfrontiert, schnell und unbürokratisch aktiv werden zu können, was von den Organisationen und ihre Mitarbeiter vor Ort nicht selten als Probleme wahrgenommen wird; etwa wenn sich als Reaktion auf einen privaten Facebook-Aufruf hunderte von Hilfswilligen an einem Ort versammeln, für die es nicht nur nicht genug Aufgaben zu verteilen gibt, sondern die auch den Einsatz der professionellen Akteure behindern können. Zum anderen birgt dieses Engagement aber auch große Potentiale für den Krisen- und Katastrophenschutz, da dessen Organisationen seit längerem mit schwindenden ehrenamtlichen Mitgliederzahlen zu kämpfen haben und es sich schlichtweg nicht leisten können, die von ihnen als „ungebundene Helfer“ oder „Spontanhelfer“ bezeichneten Freiwilligen zu ignorieren oder sogar deren Aktivität zu unterbinden.
Als eine Reaktion auf diese Entwicklungen entstanden in den letzten Jahren unterschiedliche Initiativen, deren gemeinsamer Nenner der Aufbau virtueller Netzwerke von Hilfswilligen ist, die im Falle einer Krise oder Katastrophe schnell aktiv und koordiniert tätig werden können. Neben einigen auf der technischen Ebene weniger ambitionierten Eigeninitiativen der Organisation sind eine Reihe von staatlich geförderten Forschungsprojekten damit beschäftigt, verschiedene Smartphone basierte Technologien für die Koordination von Hilfsangeboten und Bedarfen sowie den Austausch von Lageinformationen im Einsatz zu entwickeln.

Innerhalb dieser Projekte kann das Ziel der eigenen Arbeit als Prävention unerwünschter Ereignisse (der „Massenanfall von Hilfswilligen“ ) oder als Ermöglichung einer Kooperation von professionellen Einsatzkräften und Freiwilligen „auf Augenhöhe“ gedeutet werden. Entsprechend dieser Ambivalenz lassen sich die digitalen Technologien entweder als Instrumente der Lenkung und Kontrolle der Freiwilligen und insofern als Element der Stabilisierung vorhandener Strukturen, oder als Instrument der Unterstützung und Selbstermächtigung der Freiwilligen und insofern als Element der Öffnung und ggf. Transformation dieser Strukturen verstehen.

Im unserem Beitrag möchten wir basierend auf unserer Arbeit im Projekt RESIBES unterschiedliche Lösungsansätze im Umgang mit dieser Ambivalenz identifizieren, wobei wir den Fokus auf die entsprechenden Lesarten und Ausgestaltungen der digitalen Technologien legen.