Nadia Kutscher ist Professorin für Erziehungshilfe und Soziale Arbeit an der Universität zu Köln

Prof. Dr. Nadia Kutscher

Im Zuge der Einlagerung digitaler Technologien in professionelle Handlungs­kontexte Sozialer Arbeit entwickeln sich vielfältige Praktiken von Professionellen wie AdressatInnen, die sich im Rahmen der Möglichkeiten digitaler Medien zunehmend etabliert haben. Kommunikationsmöglichkeiten, Dokumentations- und Diagnostik­formen, Entscheidungs­prozesse werden auf unterschiedliche Weise digital kontextualisiert oder erbracht.

In diesem Zusammenhang zeigen sich zunehmend ethische Frage­stellungen, die bislang wenn überhaupt nur partiell reflektiert oder systematisch bearbeitet werden (Dolinksy/Helbig 2015). So werden unter anderem Fragen nach der Autonomie des Subjekts, der Reichweite von Verantwortung sowie der Handlung­smächtigkeit unterschiedlicher Akteure, der Sicherheit und des Schutzes relevant, die sich einerseits auf der Mikroebene konkretisieren und Themen wie die Abgrenzung von beruflichen und privaten Sphären, Privatheit und Öffentlichkeit (Grimm/Zöllner 2011), die Auseinandersetzung mit technischer Machbarkeit und ihren ethischen Implikationen (z.B. Adiaphorisierung – Bauman 2013) die Reichweite eigener Handlungen und deren Konsequenzen sowie die Etablierung von Normen für moralisch legitimierbares Handeln betreffen. Andererseits stellen die mittlerweile bedeutsamen technischen Rahmungen (u.a. Big Data – Cukier/Mayer-Schönberger 2011) einen Kontext dar, der neue Dimensionen ethischer Reflexions­bedarfe aufwirft.

Dieser Beitrag versucht eine Systematisierung ethischer Dimensionierungen des Handelns in pädagogischen bzw. sozial­arbeiterischen Kontexten vor dem Hintergrund empirischer wie theoretischer Befunde zu entfalten mit dem Ziel, in der Verschränkung disziplinärer Perspektiven auf die o.g. Phänomene sowohl praktische als auch theoretische Ansätze zur Reflexion der Digitalisierung pädagogischen bzw. sozial­arbeiterischen Handelns zu entwickeln