Dr. Holger Hagen studierte Politik, Germanistik und Pädagogik in Bremen, sowie Philosophie in Hannover, Oldenburg und Tübingen. Dort wurde er mit einer interdisziplinären Arbeit zum Verhältnis von Körper, Selbst und Identität promoviert. Seine Arbeitsschwerpunkte in Forschung und Lehre liegen im Bereich Sozialer Arbeit und ihrer philosophischen, soziologischen und rechtlich-politischen Grundlagen.

Simon Timmermanns absolvierte 2014 erfolgreich sein Studium im Fach Assistive Technologien. Seitdem begleitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Johanniter-Unfall-Hilfe Forschungsprojekte unter anderen in den Bereichen Pflege, Hausnotruf und Telemedizin. Im Fokus seiner Arbeit steht hierbei die Nutzerintegration. Mithilfe verschiedener Methoden sorgt er für eine nutzerzentrierte Entwicklung und verkörpert so die Schnittstelle zwischen Innovationen und potentiellen Endanwendern.

Petra Gaugisch ist Krankenschwester, Lehrerein für Pflegeberufe und hat an der Eberhard Karls Universität in Tübingen Diplom Pädagogik mit Schwerpunkt Gesundheits­wissenschaften studiert. Seit 2003 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart. Die Schwerpunkte von Frau Gaugisch liegen in der Erforschung und Entwicklung von Versorgungskonzeptionen in der Altenhilfe.

Naturwissenschaftliche und technologische Forschungs- und Entwicklungsprojekte werden immer öfter durch eine ethische, rechts- und sozialwissenschaftliche Forschung (‚ELSI‘) begleitet (siehe z.B. BMBF 2017). Hierin drückt sich die Einsicht aus, dass naturwissenschaftliche Erkenntnisse und tech-nologische Entwicklungen soziale Kontexte und Implikationen haben, die es nach verschiedenen Seiten hin zu eruieren, analysieren und diskutieren gilt.

So notwendig diese Forschungsrichtung ist, so offen scheint zunächst, wie sie gestaltet werden kann. Es zeigt sich jedoch, dass zuweilen von vornherein bestimmte Vorstellungen und Erwartungen in Bezug auf eine solche ‚Begleitforschung‘ bestehen, die dann maßgeblich in sie eingehen (vgl. Kemper 2010:15-17). ELSI-Forschung ist damit der Gefahr ausgesetzt, unreflektiert durch Prämissen gerahmt zu werden, die ihrerseits erst zu überprüfen wären. In der Folge könnte sie – die unter anderem Len-kung durch Technik reflektieren soll – unbemerkt selbst in eine Richtung gelenkt werden, die den politisch, ökonomisch und akademisch konstituierten Strukturen, Interessen und Diskursen entspricht, in die sie eingebettet ist. Hierdurch würde sie etwa im Sinne beliebiger Governance-Strategien einsetzbar (vgl. Rehmann-Sutter 2011:59-62).

Um diesen Gefahren zu begegnen, bedarf die ELSI-Forschung einer ‚metatheoretischen‘, nämlich sowohl epistemologischen als auch wissenssoziologischen Selbstreflexion. Sie muss nicht zuletzt klä-ren, inwieweit eine Instrumentalisierung der Sozialwissenschaften und Philosophie droht, die das historisch überwundene Modell der ancilla theologiae unter modernen Vorzeichen reproduziert: Muss sich die ELSI-Forschung aus einem Status der ancilla technologiae befreien? Wie selbständig aber kann eine ‚Begleitforschung‘ sein? Und ist die Gefahr des „instrumentellen Denkens“ (Adorno 1997:177) mit der ‚Selbstermächtigung‘ zu einer eigenständigen Forschung gebannt? Oder ist auch bei einer solchen ‚Subjektivierung‘ die Ambiguität des – in diesem Falle: forschenden – ‚Subjekts‘ (vgl. Foucault 2005:275) zu beachten? Bedarf es am Ende einer ‚post-ELSI‘-Forschung, wie vielfach gefordert wird (vgl. z.B. Balmer et al. 2016)?

Von der Beantwortung solcher Fragen hängt nicht zuletzt ab, ob und wie über Lenkung und Selbstermächtigung in Bezug auf die neuen Technologien nachgedacht wird – und welche Rolle die ELSI-Forschung dabei spielt: Wer ist, insofern es sich etwa um die ethische Reflexion von Forschung und Entwicklung handelt, eigentlich das reflektierende Subjekt? Und wie verläuft seine Reflexion? Woher bezieht es – angesichts vorausgesetzter Forschungs- und Entwicklungsziele – seine Maßstäbe?

Im Rahmen des Vortrags sollen im Zusammenhang mit den angesprochenen Grundsatzfragen Konzepte, Instrumente und Erfahrungen aus dem BMBF-Projekt „Mobile Care Backup“ (MoCaB) vorge-stellt und exemplarisch reflektiert werden.