Dr. Daniel Klug ist seit 2012 Assistent am Seminar für Medienwissenschaft der Universität Basel. Er studierte Soziologie und Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien. In seinem aktuellen Forschungsprojekt entwickelt er u.a. zusammen mit Elke Schlote die Web-Applikation trAVis GO (www.travis-go.org) zur Analyse von audiovisuellen Medienangeboten im Schulunterricht. Weitere Forschungsschwerpunkte sind u.a. Reality-TV, Musikfernsehen und Musikvideos.

Dr. Elke Schlote studierte Deutsch und Biologie auf Lehramt an der Universität Konstanz und ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im SNF-Projekt „Entwicklung und Evaluation einer Web-Applikation zur Analyse von audiovisuellen Medienangeboten im Schulunterricht“ am Seminar für Medienwissenschaft der Universität Basel. Zusammen mit Daniel Klug entwickelt sie trAVis GO.

An der Universität Basel wird in einem laufenden Forschungsprojekt eine Web-Applikation zur Analyse von audiovisuellen Medienangeboten für weiterführende Schulen entwickelt. Der praxisorientierte, zyklische Entwicklungs- und Forschungsansatz folgt dem „Design-based research“ (Reinmann/Sesink, 2011: 9). Lehrkräfte sind als „co-researcher“ in den Prozess eingebunden, gestalten ihre Lehrmittel mit. MedienwissenschaftlerInnen erheben den schulischen Bedarf, definieren für den Unterricht benötigte technische Funktionen und gleichen Positionen der Mediendidaktik (u.a. Mayrberger, 2014) ab. Informatiker setzen die technischen Anforderungen um, geben Impulse zur Funktionalität und Usability. Projektziel ist es, eine im Internet frei zugängliche Web-Applikation bereitzustellen, mit der audiovisuelles (AV-)Material auf den Ebenen Bild, Text und Ton analysiert werden kann (Jost et al., 2013). Der Fokus liegt auf der Analyse und Aneignung von AV-Material als Aspekt der Medienkompetenz (Herzig/Grafe, 2010: 119f.), der für Schule eingefordert wird, aber bisher in der Praxis kaum verankert ist (Klug, 2015).

Das Handlungsfeld Schule ist geprägt von einem innerschulischen Spannungsverhältnis von Selektion/Kontrolle und Selbstbestimmung/Mündigkeit (u.a. Schiefner-Rohs, 2014). Dies wird durch im Projekt erhobene Aussagen von Lehrpersonen zu der zu entwickelnden App bestätigt. Schule öffnet sich zudem langsam für computergestützte Anwendungen. Neben der Nutzung von Standardsoftware auf PCs/Laptops werden nun teils auch mobile Apps (Vokabeltrainer, Musikintervalle bestimmen) eingesetzt, die (Selbst-)Tests der eigenen Leistung ermöglichen. Die Ausrichtung auf mehr Freiraum oder Kontrolle hängt vom Unterrichtsstil der Lehrkraft wie auch von existierenden Unterrichtsgefäßen ab, z.B. freien Projektphasen.
Wird die Web-Applikation als Bildungsraum verstanden, der über technische Lösungen Raum für Interaktionen schafft oder ausschließen kann, kann dies durch die Linse des pädagogischen Konzepts der „einräumenden Praxis“ (Sesink, 2014: 31f.) kritisch reflektiert werden. Es besagt, dass ein (Bildungs-)Raum mit Dingen und pädagogisch angeleiteten Tätigkeiten zu füllen sei, gleichzeitig aber Raum für selbstgesteuerte Bildungsprojekte bieten soll, um wechselseitige Beziehungen zu generieren. Aus der laufenden Entwicklung heraus wird fokussiert, inwiefern die geplante Web-Applikation Akteuren solche Handlungsmöglichkeiten erlaubt. An ausgewählten technischen Funktionen wird expliziert, wie es zu einer Verschiebung in der Ausrichtung der Web-Applikation kam, die weg von Kontrolle, eineindeutiger Identifizierbarkeit und Hierarchisierungen zwischen Lehrkräften und Schüler/-innen hin zu einer offeneren, egalitären Plattform des Austauschs geht. Eine Kurz-Demo der Web-Applikation kann gegeben werden.