Rückblick: Erster DiTeS Dialog am 03./04. November 2016
Wissenschaft trifft Praxis in Kleve

Anfang November trafen sich in Kleve (NRW) die Wissenschaftler*innen vom Forschungsschwerpunkt DiTeS (Digitale Technologien und Soziale Dienste) der TH Köln mit Vertreter*innen von sieben Einrichtungen aus dem sozialen Sektor. Unter dem Motto „Innovative digitale Praxis“ wurden am 03. und 04. November 2016 Erfahrungen mit dem praktischen Einsatz digitaler Technologien ausgetauscht.

Führungskräfte berichteten hier über Ihre Umsetzungen etwa in den Bereichen Qualitätsmanagement, Personalmanagement oder Fachverfahren. Ein weiteres Thema waren (digitale) Weiterbildungsmaßnahmen für das Personal. Denn durch die häufig fehlende Technikaffinität, berichteten die Vertreter*innen, mangele es vielen Fachkräften im sozialen Sektor an Medienkompetenz. Dies führe u.a. dazu, dass für die Kommunikation mit Klient*innen datenschutzrechtlich äußerst bedenkliche Applikationen wie WhatsApp genutzt würden – und zwar sowohl über private als auch über berufliche Mobiltelefone von Sozialarbeitenden.Prof. Dr. Isabel Zorn, Medienpädagogin und -wissenschaftlerin, kennt diese Problematik und diskutierte deshalb in einem Workshop weniger bedenkliche Software-Alternativen für den Berufsalltag der Sozialen Arbeit. Ebenso appellierte sie an die Teilnehmer*innen, ihre Klientel dort abzufangen, wo diese sich im Internet ohnehin bewegt:„ YouTube ist der Favorit unter Jugendlichen, wenn es um Informationssuche geht. Umso wichtiger ist es, dass soziale Einrichtungen auch dort Angebote schalten, z.B. zur Drogenberatung.“Ein weiteres Ziel der Tagung war die Entwicklung gemeinsamer Projektideen. Dazu stellte Prof. Dr. Udo Seelmeyer, Leiter des jungen Forschungsschwerpunkts, die verschiedenen Forschungsthemen vor, an denen aktuell gearbeitet wird. Anknüpfend an die vielfältigen interdisziplinären fachlichen Expertisen von DiTeS und die konkreten Anliegen und Bedarfe der teilnehmenden Einrichtungen wurden erste Ideen für gemeinsame Projekte und entsprechende Förderanträge entwickelt.

Konkret wird nun u.a. an einer Projektskizze für die Medienbildung von Fachkräften und Klient*innen in der Sozialen Arbeit gearbeitet. Gerade für bisher marginalisierte Gruppen sehen sowohl die Vertreter*innen der eingeladenen Organisationen als auch die Mitglieder des Forschungsschwerpunktes großes Potenzial, durch digitale Assistenz soziale Teilhabe und ein selbstbestimmtes Leben zu erreichen. Für sie ebenso wie für die Mitarbeitenden soll ein niedrigschwelliges Medienbildungsprogramm entwickelt werden. Dafür wird derzeit nach geeigneten Fördermöglichkeiten gesucht. Zudem wird aktuell von verschiedenen Beteiligten an einem Forschungsantrag für eine Kommunikations- und Informations-Plattform für Soziale Dienste gearbeitet, die den Nutzer*innen eine einfache Kommunikation mit verschiedenen von ihnen genutzten Diensten ermöglicht und eine sichere und datenschutzkonforme Weitergabe von Informationen zwischen diesen ermöglicht. Hierfür werden noch geeignete technische Dienstleister gesucht.

Um sozialen Einrichtungen einen schnellen Überblick zu ermöglichen, wo sie mit Blick auf die Digitalisierung ihrer Prozesse stehen, hat DiTeS außerdem eine 360°-Digitalisierungsanalyse für die Sozialwirtschaft entwickelt. Angesichts des immer stärkeren, aber teils noch unsystematischen Einsatzes von Technologien soll diese dabei helfen herauszufinden, wie Hard- und Software zukünftig sinnvoll(er) und (datenschutz-)rechtlich unbedenklich genutzt werden können.